Modulübersicht

Modul 1: Variantendarstellung in symphonischen, kammermusikalischen und vokalen Werken
Ziel des ersten Moduls ist die Entwicklung eines Modells zur Variantendarstellung in ausgewählten Werken Beethovens. Darüber hinaus werden in dieser ersten Phase Grundlagen für die weitere Arbeit gelegt, denn die Module sind so ausgerichtet, dass sie inhaltlich dem Prinzip wachsender Komplexität folgen. Das auf zwei Jahre angelegte erste Modul wird Entstehungsvarianten in symphonischen, kammermusikalischen sowie vokalen Werken des Komponisten aus der Perspektive der genetischen Textkritik untersuchen und digital aufbereiten. Dafür ist neben einer Systematisierung der Varianten auch eine Erweiterung des Codierungsmodells der Music Encoding Initiative (MEI) erforderlich, um eine systematische Darstellung der unterschiedlichen Ausprägungen musikalischer Entstehungsvarianten visualisieren zu können. Verschiedene Werkzeuge und Codierungsformate werden bei der Arbeit an diesem Vorhaben genutzt: Die Codierungsstandards MEI und TEI sowie das für die digitale Musikedition entwickelte Werkzeug Edirom. Die Erarbeitung eines Glossars soll außerdem eine einheitlich verwendete Terminologie gewährleisten. Die Nutzung hochauflösender Digitalisate des Beethoven-Hauses Bonn ermöglicht eine inhaltlich und technisch angemessene Erforschung der Beethovenschen Manuskripte. Die jungen Methoden der genetischen Textkritik konzentrieren sich auf den Schaffensprozess als materielle und kognitive Tätigkeit und ermöglichen die Entwicklung einer neuen Forschungsperspektive, welche anhand der ganannten Materialien in den Blick genommen wird. In der ersten Arbeitsphase sind bislang die folgenden Ergebnisse zu vermerken: Neben einem Werkzeug zur Darstellung textgenetischer Entwicklung bei ausgewählten Beispielen aus den verschiedenen Gattungen, in dem die Variantenbildung durch Farbnutzung und Transkription in Cleartexten hervorgehoben ist, wurde eine erste Version des Glossars erstellt. Sämtliche für das erste Modul vorgesehenen Werke liegen bereits im Datenformat MEI vor und können im Hinblick auf das neu zu entwickelnde Datenmodell bearbeitet werden. Ferner sind die Faksimiles der Werke vollständig mit Taktzahlen versehen und in einer ersten Edirom-online-Anzeige einsehbar.
Modul 2: Beethoven als Bearbeiter eigener Werke
Im zweiten Modul liegt der Fokus der Arbeit auf Beethovens Bearbeitung eigener Werke, welche synoptisch in einer Doppeledition präsentiert werden sollen. Transformationsprozesse werden in Einzelschritten nachvollziehbar und dynamisch stufenweise wiedergegeben. Während im ersten Modul Variantenbildung eher isoliert betrachtet wurde, soll hier der Gesamtkontext der Textgenese als inhaltlicher Rahmen betrachtet werden.

Ein Teil der zu behandelnden Werke liegt als MEI-Codierung vor, außerdem werden zeitnah Edirom-online-Anzeigen dieser Werke verfügbar gemacht.

Modul 3: Auf der Suche nach dem Werktext: Originalausgaben, variante Drucke und Beethovens Korrekturlisten
In diesem Modul wird das Hauptaugenmerk der Arbeit darin bestehen, die Textentwicklung in Beethovens Werken vor, während und nach der Übergabe an einen Verleger zu untersuchen. Um eine angemessene Wiedergabe der entsprechenden Genese und der varianten Drucküberlieferung gewährleisten zu können, bedarf es der Entwicklung eines Kollationierungswerkzeugs. Ferner sollen die Korrekturanweisungen sowie weitere periphere Quellen des Komponisten erforscht werden und schließlich alles in einer Online-Publikation adäquat aufbereitet werden.
Modul 4: Skizzenbuch-Edition
Das vierte Modul wird Beethovens Skizzenbücher zum Gegenstand der Arbeit machen. In ihnen lassen sich Stadien komplexer kompositorischer Arbeitsschritte erkennen und untersuchen. In einer digitalen Skizzenbuch-Edition wird das Ziel sein, eine dynamische Textdarstellung sowie eine flexible Textaufbereitung zu präsentieren, die es ermöglicht, Beethovens Arbeitsweise in einer zeitlichen Ordnung zu erschließen und transparent zu machen. Dies stellt besondere technische Herausforderungen an die digitale Umsetzung.
Modul 5: Kombination von Editionskonzepten in einer Edition: Drei Modelleditionen der Diabelli-Variationen op. 120
Im abschließenden Modul des Projekts soll eine vollständige textgenetische Edition der Diabelli-Variationen Beethovens erarbeitet und in Bezug zu anderen bzw. herkömmlichen Editionskonzepten gesetzt werden. Dies ermöglicht den direkten Vergleich verschiedener editorischer Modelle anhand desselben Werkes und vereint die in den vorangegangenen Modulen entwickelten technischen Werkzeuge und inhaltlichen Erkenntnisse.