Cue staff

Cue staff („Stichwort-Notensystem“) bezeichnet ein in Beethovens Werkniederschriften eigens mitgeführtes Notensystem, das vornehmlich für Nebenskizzen benutzt wird, welche die Ausarbeitung eines Werktextes begleiten aber nicht dessen konstitutive Bestandteile sind. Der Begriff wurde von Lewis Lockwood geprägt (s. Lockwood 1970).

Cue staff-Notierungen stehen außerhalb des gültigen Notentextes und sind durch ihren flüchtigen Schreibduktus und die oft abgekürzte Schreibweise der Notationselemente klar von diesem zu unterscheiden. In manchen Fällen sind sie zudem mit Bleistift geschrieben. Cue staffs sind nicht in allen Arbeitsmanuskripten Beethovens zu finden und innerhalb einer Handschrift auch nicht durchgängig vorhanden.
Beethoven nutzte diese Notierungen als arbeitstechnisches Hilfsmittel bei der Ausarbeitung eines Werkes. Sie können als Bindeglied zwischen Skizzen, die sich in gesonderten Manuskripten befinden, und der ausgearbeiteten Partitur angesehen werden. Häufig enthalten die Notierungen den Leitstimmenverlauf in konzentrierter Form und stehen somit in inhaltlicher Verbindung mit dem Notentext der Partitur.
Manche der Cue staff-Notate wurden vor der Partitur-Ausarbeitung niedergeschrieben. Möglicherweise trug Beethoven sie in die leere Partitur ein, um bestimmte Stellen zu „markieren“ und sich daran in der noch auszuarbeitenden Partitur orientieren zu können. In anderen Fällen notierte er die Cue staff-Skizzen spontan während der Ausarbeitung, um ein kompositorisches Problem durch Skizzierung zu lösen (s. Appel/Veit 2015).
Cue staff-Notierungen dürfen nicht mit reinschriftlichen Ersatzlesarten und Korrekturen verwechselt werden, die mangels Schreibraum oder aus Gründen der Deutlichkeit auf frei gebliebene Systeme ausgelagert worden sind, denn diese gehören zum ausgearbeiteten Werktext.

 

op.  75 Nr. 2

Abbildung 1: Ludwig van Beethoven, Werkniederschrift des Liedes Neue Liebe, neues Leben op. 75/2, T. 113–125 (Beethoven-Haus Bonn, HCB Mh 34, fol. 5r)

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