Schreibschicht / Textschicht

Schreibschicht
Die uns vorliegenden Manuskripte sind Ergebnisse von Schreibprozessen, die sich im Idealfall wieder rekonstruieren und dabei verschiedenen Schreibschichten zuordnen lassen. Der Begriff Schreibschicht umfasst dabei alle skripturalen Elemente (absichtsvoll geschriebene Texte, explizite Metatexte sowie auch implizite Metatexte, wie z. B. Schreibduktus, Schreibmittel, etc.) eines temporär abgeschlossenen Schreibvorgangs. Schreibschichten entstehen durch Arbeit am Notentext im Zuge eines regulären Textwachstums sowie bei Variantenbildung. Die einzelnen Schreibschichten können sich aufgrund ihrer skripturalen Erscheinung von einer früheren und/oder nachfolgenden unterscheiden. Sie stehen in einem chronologischen Folgeverhältnis zueinander und zugleich in einem Ergänzungs- und/oder Ersetzungszusammenhang.
Auf eine konkrete Stelle bezogen wird die chronologisch erste Schreibschicht als Grundschicht bezeichnet. Aufgrund verschiedener bereits während der Niederschrift erfolgender Umarbeitungsprozesse wird die Grundschicht eines Manuskripts unterbrochen, sodass sie sich – bezogen auf das gesamte Manuskript – aus mehreren separaten Schreibschichten zusammensetzt.

Textschicht
Soll nicht die Skriptur, sondern der darin dokumentierte Inhalt (die Semantik der Schriftzeichen) angesprochen werden, spricht man von Textschicht. Textschicht meint also die von der konkreten Form der Zeichen abstrahierte Bedeutung, die eine direkte Entsprechung im Cleartext (in der Transkription) finden. Metatextliche Zeichen aller Art klammert der Begriff Textschicht aus.

Kurz: Schreibschicht umfasst also alle skripturalen Elemente, während die Textschicht lediglich die konkret mit (noten)textlichem Inhalt besetzten Zeichen meint.

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