Textzustand

Der Begriff „Textzustand“ umfasst die Summe aller Schreibschichten eines betrachteten Textsegments zu einem bestimmten Zeitpunkt. Innerhalb eines Textsegments können mitunter mehrere Schreibschichten identifiziert und chronologisch geordnet werden. Mit jeder neu hinzukommenden Schreibschicht eines Textsegments wird ein neuer Textzustand begründet, der als neue, modifizierte „Momentaufnahme“ des Textes zu verstehen ist.
Idealtypisch lässt sich so die Entstehung eines gesamten Werkstattdokuments schrittweise nachvollziehen, wenn man all seine Schreibschichten erkennen und ordnen kann. Da durch spätere Umarbeitungen im Zuge von Revisionen, späteres Ausarbeiten der Füllstimmen etc. in der Regel nicht eindeutig erkannt werden kann, welche Zeichen einer Schreibschicht tatsächlich bereits existierten oder welche Schreibschichten in einem Kohärenzverhältnis stehen, wird der Begriff „Textzustand“ im Projekt Beethovens Werkstatt auf lokal begrenzte Textsegmente angewendet, in denen die Abfolge der Schreibschichten hinreichend klar ermittelt werden kann.
Der finale Textzustand eines Werkstattmanuskripts wird dagegen als Textstufe bezeichnet. Textzustände sind immer nur dokumentintern beobachtbar. Textstufen können hingegen auch über Dokumentgrenzen hinweg erkannt werden, beispielsweise wenn Beethoven einen Verlaufs-Entwurf (Textstufe A) in ein anderes Dokument überträgt und diesen dort ausarbeitet (Textstufe B).

Schematische Darstellung
Schreibschicht 1 = Textzustand A
aber: Schreibschicht 2 ≠ Textzustand B, denn: Schreibschicht 1 + Schreibschicht 2 = Textzustand B
Schreibschicht 1 + Schreibschicht 2 + Schreibschicht 3 = Textzustand C, bzw.: Textzustand B + Schreibschicht 3 = Textzustand C
usw.

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