Dokumentation
VideApp-Rev
In der für dieses Modul entwickelten Anwendung (VideApp-Rev) kann man die von Beethoven angemahnten, „monierten“ Textstellen vor und nach der Revision nachvollziehen, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was der Auslöser einer Revision war, wie sie von Beethoven notiert wurde und ob sie tatsächlich in der gewünschten Weise vom Verlag umgesetzt worden ist.
Die VideApp-Rev enthält alle im 3. Modul untersuchten Fallbeispiele. Dabei wird zwischen dynamisch (op. 73 und op. 120) und statisch präsentierten Beispielen (op. 104, op. 109, op. 127, op. 106 und WoO 152) unterschieden. Genuin digital erarbeitet wurden die beiden dynamischen Beispiele, bei denen alle Perspektiven (Schreibtisch-Ansicht, Komparative Ansicht und Listenansicht) und Darstellungen ad hoc aus einer Codierung heraus generiert werden. Bei den statischen Beispielen fällt die Schreibtisch-Ansicht weg und die Komparative Ansicht wird über ein PDF zugänglich gemacht. Die Monita können aus der Listenansicht der VideApp-Rev heraus im PDF geöffnet werden. Mit einem Klick auf „Details“ in der Listenansicht wird die entsprechende Seite des PDFs geöffnet.
Perspektiven
Schreibtisch-Ansicht
Die Schreibtisch-Ansicht ist neben der komparativen Ansicht und der Listenansicht eine von drei Erschließungsperspektiven, die bei der Analyse von Revisionsprozessen in Modul 3 eingesetzt werden können.
Die Schreibtisch-Ansicht bietet einen elementaren Zugang zur Quellenüberlieferung und bildet zugleich den Ausgangspunkt für die Untersuchung der Quellen eines Revisionsprozesses. Sie überträgt eine in der analogen Welt übliche Arbeitsumgebung in das digitale Medium und erlaubt den Nutzenden somit, die Quellenlage aus einer vertrauten Perspektive wahrzunehmen. Durch die Lokalisierung im Raum und eine Anordnung auf dem Schreibtisch, die beliebig wählbare inhaltliche Bezüge (etwa die Entstehungsabfolge) zwischen den Quellen repräsentieren kann, lassen sich auf mnemotechnische Aspekte zielende Gewohnheiten und Erfahrungen auch im digitalen Umfeld nutzen.
Die Schreibtisch-Ansicht kann über die Spalte “Software/VideApp_rev” in der Liste der Fallbeispiele oder über die Modulseite der VideApp geöffnet werden. In dieser Ansicht werden die digitalen Faksimiles der für den Revisionsprozess relevanten Quellen dargestellt. Die physischen Abmessungen der Quellen werden in den MEI-Daten so hinterlegt, dass die Quellen in ihrem korrekten Größenverhältnis zueinander dargestellt werden. Die digitalen Faksimiles, die in einer Kopfleiste durch ihre Signatur (mit RISM-Sigle für die Besitzer-Institution und Kurzversion der Signatur) gekennzeichnet sind, können mit Hilfe der Pfeiltasten in der Kopfleiste durchblättert, als Ganzes in jede Richtung verschoben und beliebig angeordnet werden. Darüber hinaus bietet diese Ansicht den Nutzerinnen und Nutzern weitergehende Funktionen: Am Seitenrand der Faksimiles sind gelbe Etiketten (Post-its) angebracht, die beim Blättern als Orientierungshilfe dienen. Sie kennzeichnen z. B. im Stimmensatz den Beginn eines neuen Instruments oder in der Partitur einen Satzbeginn. Durch eine in der Menüspalte an der rechten Seite angebrachte Zoomfunktion (+ und - bzw. durch <> zurück zur Komplettansicht) oder alternativ durch Klicken in eine Quellenansicht (bzw. den Schreibtischbereich) kann der gesamte Schreibtisch vergrößert oder verkleinert werden, um eine Quelle näher zu betrachten. Dabei kann man in dem kleinen Navigatorfenster der rechten oberen Ecke des Bildschirms kontrollieren, auf welcher Zone des Schreibtischs gerade der Fokus liegt (vgl. rote Markierungen).
Die Noten-Digitalisate selbst sind durch Markierung der Taktpositionen erschlossen. Durch die Funktion „Takte anzeigen“ (unterhalb des Navigator-Fensters) können sie sichtbar gemacht werden. Bei der Anzeige kompletter Seiten werden ggf. nur die Taktgrenzen, also z. B. T. 39–73, angezeigt, beim Zoomen in die Quelle ändert sich dies dann zur Einzeltaktzahl-Anzeige.
Die Notate in den Revisionsdokumenten sind komplett mit SVG-Shapes erschlossen, in Ausgangs- und Zieldokument sind es nur die vom Monitum betroffenen Takte. Wird ein einzelnes, mit SVG erschlossenes Zeichen auf den digitalen Faksimiles angeklickt, werden alle zugehörigen Zeichen des entsprechenden Monitums im Revisionsdokument sowie der zugehörige Ausschnitt im Ausgangs- und Zieldokument durch optische Hinterlegung hervorgehoben. Bezogen auf das erwähnte angeklickte Zeichen öffnet sich darüber hinaus in der rechten Seitenleiste eine Infobox, in der Informationen zu dem ausgewählten Zeichen mit Ortsangabe und dem jeweiligen MEI-Element zu sehen sind. Im unteren Teil der Infobox kann man über “Komparative Ansicht öffnen” direkt in die komparative Ansicht wechseln und das Monitum im Detail betrachten. Alternativ lässt sich über die rechte Seitenspalte ein Überblick über die Monita innerhalb der Listenansicht aufrufen.
Text: Agnes Seipelt, Ran Mo
Komparative Ansicht
Die komparative Ansicht ist neben der Schreibtisch-Ansicht und der Listenansicht eine von drei Erschließungsperspektiven, die bei der Analyse von Revisionsprozessen in Modul 3 eingesetzt werden können.
In der komparativen Ansicht werden die Monita und die dazugehörigen Ausgangs- und Zieltexte mit ihren Dokumenten in der Reihenfolge des Revisionsprozesses (von links nach rechts) vergleichend dargestellt. Sie besteht im Wesentlichen aus einer Tabelle mit den drei Spalten “ante revisionem”, “revisio” und “post revisionem” und den vier zugehörigen Zeilen “Dokument”, “Annotierte Transkription”, “Ausgangstext und Zieltext” sowie “Kommentar”.
In der ersten Zeile “Dokument” werden die das Monitum betreffenden Takte der digitalen Faksimiles abgebildet. Sie sind jeweils mit den Begriffen Ausgangsdokument, Revisionsdokument und Zieldokument und der RISM-Signatur überschrieben.
In der zweiten Zeile wird eine annotierte Transkription der Dokument-Ausschnitte angeboten, die vor allem als Lesehilfe für handschriftliche Dokumente, z. B. der Revisionsdokumente, dient. Die annotierte Transkription versucht, die Vorlage so originalgetreu wie möglich abzubilden, beispielsweise die Richtung der Notenhälse beizubehalten. Marginalien und explizite Metatexte werden in der Transkription gezeigt und zum Verstehen des Notats notwendige Ergänzungen werden grau markiert. Der Änderungsimperativ bzw. die angeregten Textoperationen werden in der annotierten Transkription des Revisionsdokuments farblich hervorgehoben. Eine rote Einfärbung steht für eine Tilgung, eine grüne Einfärbung steht für eine Einfügung. Zudem werden Fehler im Kontextzitat pink hervorgehoben. Eine detaillierte Beschreibung der annotierten Transkription ist im gleichnamigen Glossareintrag zu finden.
Die dritte Zeile zeigt den Ausgangstext und den Zieltext jeweils als Cleartext. Hier sind beispielsweise Notenhalsrichtungen nicht explizit in den Daten angegeben, sondern werden nach heutigen Notensatzregeln von Verovio automatisch gesetzt.
Die vierte Zeile fungiert als Kommentarzeile, in der eventuelle Unklarheiten erläutert werden. In der Kommentarspalte des Revisionsdokuments ist zudem angegeben, welche Art der Textoperation und der Klassifizierung vorliegt und ob das Kontextzitat im Revisionsdokument korrekt, unvollständig oder korrumpiert ist. In der Spalte “post revisionem” ist angegeben, ob der Änderungsimperativ vollständig, unvollständig oder nicht umgesetzt wurde. In der separaten Listenansicht können die Monita nach diesen Parametern sortiert und gefiltert werden.
Alle Zeilen und Spalten lassen sich über die Schaltfläche “Optionen” ein- oder ausblenden, um den direkten Vergleich verschiedener Ebenen zu ermöglichen. Zudem können die Nutzerinnen und Nutzer in den Faksimile-Ausschnitten beliebig hinein- und herauszoomen sowie den Ausschnitt verschieben. Mit einem Klick auf das Schloss-Icon kann der jeweils gezoomte Ausschnitt fixiert werden, ansonsten wird der Bildausschnitt nach kurzer Zeit auf den Ausgangszustand zurück gezoomt. In die Transkriptionen kann ebenfalls beliebig hinein- und herausgezoomt werden.
Die komparative Ansicht kann über die Schreibtisch-Ansicht geöffnet werden, wenn ein mit SVG erschlossenes Zeichen in den Dokumenten angeklickt wird. Es erscheint daraufhin rechts die Infobox mit Informationen zum ausgewählten Zeichen sowie die Schaltfläche “Komparative Ansicht öffnen”. Ebenso kann die komparative Ansicht über die Listenansicht erreicht werden, indem in der rechten Spalte “Monitum öffnen” ausgewählt wird.
Text: Agnes Seipelt, Ran Mo
Listenansicht
Die Listenansicht ist neben der komparativen Ansicht und der Schreibtisch-Ansicht eine von drei Erschließungsperspektiven, die bei der Analyse von Revisionsprozessen in Modul 3 eingesetzt werden können.
Die Listenansicht bietet einen schnellen Überblick über die zu einem bestimmten Werk vorliegenden Monita, die ggf. aus mehreren Revisionsdokumenten stammen. Sie kann über “Monita-Übersicht anzeigen” in der rechten Spalte der Schreibtisch-Ansicht erreicht werden. Die Monita sind zeilenweise untereinander aufgelistet und in der Voreinstellung nach Sätzen und Taktzahlen sortiert. Weiterhin besteht die Liste aus sechs Spalten, die folgende Daten über die Monita enthalten:
- Ortsangabe
- Textoperation (Einfügung, Tilgung, Ersetzung, Umstellung)
- Klassifizierung: (Korrektur, Variante, Textpräzisierung, Schriftbildliche Verbesserung, Paratextliche Eingriffe)
- Vollständigkeit/Korrektheit des Kontextzitats (korrekt, unvollständig, korrumpiert)
- Angaben zum Änderungsimperativ (vollständig umgesetzt (siehe Implement), teilweise umgesetzt, nicht umgesetzt)
- (RISM-)Signatur des Revisionsdokuments
Alle Spalten können sortiert sowie nach den o. g. Werten gefiltert werden, so dass die Nutzerinnen und Nutzer die Liste auf ihre Fragestellungen hin einrichten können. Über “Monitum öffnen” in der rechten Spalte lässt sich die komparative Ansicht des ausgewählten Monitums öffnen und dieses im Detail studieren.
Text: Agnes Seipelt, Ran Mo