Ereignisdichte

Im einstimmigen wie auch im vielstimmig verlaufenden Notensatz bedeutet jedes einzelne primäre Notenzeichen ein einzelnes Ereignis, das in einen Kontext eingebettet ist und diesen zugleich erzeugt. Diese Ereignisse sind entweder singulär, weil sie nur in einer von mehreren Stimmen stattfinden oder sie treten simultan in mehreren Stimmen auf. In Anlehnung an die komplementäre Rhythmik, in der der rhythmische Fluss verschiedener Stimmen in einem einzigen Verlauf synchronisiert wird, erfasst auch die Ereignisdichte die zeitliche Abfolge einzelner Ereignisse, unabhängig davon, ob der Ereigniswechsel von einer einzelnen Stimme oder zeitgleich von mehreren Stimmen erzeugt wird. Entscheidend ist nur das Faktum eines stattfindenden Wechsels, wobei nichts darüber ausgesagt wird, ob dieser Wechsel singulär (in einer einzigen Stimme) oder simultan (zeitgleich in verschiedenen Stimmen) stattfindet. Die Ereignisdichte zeigt lediglich an, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein wie auch immer gearteter Wechsel von Ereignissen stattfindet.
Im Forschungsprojekt Beethovens Werkstatt (2. Modul: Beethoven als Bearbeiter eigener Werke) wird die Ereignisdichte als eigenständige Strukturperspektive durch eine rhythmisch gegliederte Abfolge von vertikalen Strichlein dargestellt.

Beispiel zur Darstellung der Ereignisdichte, Op. 14/1, 3. Satz, T. 1–4.

Die so erfasste Ereignisdichte dient als analytisches Hilfsmittel, das beispielsweise im Kontext von Fassungsvergleichen auf sehr direkte Art erkennbar werden lässt, an welchen Stellen die rhythmisch-motorische Grundstruktur eines Abschnittes verändert wird oder unverändert beibehalten wird. Sie kann beispielsweise eine strukturelle Verdichtung auf der rhythmischen Ebene anzeigen, wie sie etwa in Durchführungen, formalen Übergängen oder Schlussgruppen anzutreffen ist. Als bloßer, allerdings objektiver Messwert trifft die angezeigte Ereignisdichte keine qualitativen Urteile über musikalische Strukturen. So erscheint etwa ein Begleitungsmodus in Form schematisch wiederholter Spielfiguren zwar als ereignisdichter Verlauf, der aber unter strukturanalytischer Sicht als trivial bewertet werden mag. Bei einem Fassungsvergleich kann die Ereignisdichte kongruent oder partiell voneinander abweichend sein.

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