Ersetzung

Eine Ersetzung ist (1) eine von vier Formen der Textoperation. Zugleich bezeichnet Ersetzung (2) einen von vier Variantentypen. Demnach besitzt der Begriff Ersetzung ebenso wie die übrigen drei Bezeichnungen für Textoperationen (Tilgung, Einfügung, Umstellung) eine Doppelbedeutung: Wird er als nomen actionis gebraucht, bezeichnet er einen Prozess (Textoperation); als nomen qualitatis bezeichnet er dagegen das durch diesen Prozess erzielte Ergebnis, ein Produkt (Variantentypus).

Innerhalb einer Werkgenese bezweckt eine Ersetzung den Austausch eines bereits vorhandenen Textsegments (A) durch ein neues, anderes (B). Betrifft die Ersetzung ein komplettes Partitursegment, so bleibt der gesamte Textumfang entweder gleich oder er wird kürzer oder länger. Betrifft die Ersetzung jedoch nur eine einzelne Stimme oder einen Stimmenverband (d. h. eine Kombination einiger, aber nicht aller Stimmen einer Partitur), so bleibt der Taktumfang des komponierten Textes unverändert, da der Partiturkontext keine Umfangsänderung einzelner Stimmen erlaubt (Kontextzwang). In allen genannten Fällen wird das ursprüngliche Segment A durch das neue Segment B für ungültig erklärt.
Dagegen bleiben bei einer Bearbeitung eines Werkes X in eine Parallelfassung Y alle Textsegmente, die zueinander in einem Ersetzungsverhältnis stehen, valid, denn jedes Textsegment ist in eine eigenständige Werkfassung eingebettet. Zwischen dem ursprünglichen Segment A der Fassung X und seiner Ersetzung durch B in der Fassung Y besteht eine mehr oder weniger ausgeprägte Ähnlichkeit, die als Varianz beschrieben werden kann.
Alle kreativen Prozesse, die sich mit bestehenden Strukturen befassen (einen Text bearbeiten, einen Leitstimmensatz ausarbeiten, ein Particell instrumentieren, ein Bild malen, einen Film produzieren, eine Oper inszenieren etc.) sind mit Änderungsmaßnahmen verbundenen, die sich alle als Tilgung, Ersetzung, Einfügung oder Umstellung beschreiben lassen.

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