Einzelnotenvergleich

Die Perspektive des Einzelnotenvergleichs (engl. single note comparison) ist neben der Fassungssynopse (engl. plain comparison), den Bearbeitungsmaßnahmen (engl. genetic comparison), der Stimmenkontur (engl. melodic contour), dem Harmonievergleich (engl. harmonic comparison) und der Darstellung der Ereignisdichte (engl. event density) eine von sechs Perspektiven der VideApp-Arr, mit deren Hilfe Fassungen computergestützt verglichen werden können.

Basierend auf den Funktionen der Fassungssynopse ermöglicht der Einzelnotenvergleich, zwei Fassungen eines Werkes auf der Ebene von Einzelnoten hinsichtlich ihrer Verwandtschaftsbeziehung (Invarianz, Varianz, Differenz) miteinander zu vergleichen. Dabei ähnelt die Perspektive des Einzelnotenvergleichs derjenigen der Bearbeitungsmaßnahmen, bietet aber einen detaillierteren Blick auf die Beziehungen der einzelnen Notenzeichen. Im Unterschied zu anderen Darstellungsmodi (Harmonievergleich und Stimmenkontur) werden hier nicht tonale Strukturen (Harmonik) oder Melodien bzw. Stimmenverläufe in den Blick genommen, sondern die auf konkordanten syntaktischen Positionen befindlichen Einzelnoten zweier Fassungen miteinander verglichen. Die Perspektive funktioniert also streng vertikal und bezieht sich immer nur auf einzelne Zeichen. Dabei wird für jede Note in Bezug auf Tondauer, Tonbuchstabe und Oktavlage geprüft, ob es an syntaktisch gleicher Position invariante, variante oder differente Zeichen in der Parallelfassung gibt, und dies entsprechend eingefärbt.

Die in beiden Fassungen übereinstimmenden bzw. invarianten Einzelzeichen werden schwarz dargestellt, variante Verwandtschaftsbeziehungen eines Einzelzeichens allgemein blau eingefärbt. Die invarianten Korrespondenzen zwischen beiden Fassungen bezeichnen wir als Satzkern. Differierende Noten sind pinkfarben markiert. Der Einzelnotenvergleich zeigt somit mittels Farbmarkierungen alle Übereinstimmungen, Ähnlichkeiten und Abweichungen, die zwischen den Fassungen bestehen.
Stimmen die Parameter Tondauer, Tonbuchstabe und Oktavlage zwischen zwei verglichenen Noten überein, sind sie invariant. Varianz dagegen bedeutet, dass sich ein oder zwei der Parameter voneinander unterscheiden, während die übrigen Parameter identisch sind: Demnach wird Varianz entweder durch einen einzigen varianten Parameter (Oktav-Varianz, Rhythmus-Varianz) oder durch zwei veränderte Parameter ausgelöst (Oktav-Rhythmus-Varianz, Tonhöhen-Varianz). Lassen sich an syntaktisch gleicher Stelle keinerlei parametrische Übereinstimmungen in Bezug auf Tonhöhe und/oder Tondauer feststellen, so liegt eine Differenz vor. Während Invarianz und Differenz eine eindeutige Aussage über die Beziehung eines Zeichens geben, kann die Varianzbeziehung sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Um die genaue Ähnlichkeitsbeziehung varianter Noten anzuzeigen, kann von einer allgemein Varianz anzeigenden blauen Einfärbung zu einer detaillierten Einfärbung der genauen Varianzbeziehungen innerhalb der Anzeige umgeschaltet werden (siehe unten).

Zwischen den drei Parametern (Tonbuchstabe, Oktavlage, Tondauer) besteht keine zwingend begründbare Hierarchie. Im Projekt wird die Übereinstimmung des Tonbuchstabens der rhythmischen Übereinstimmung übergeordnet. Von den drei grundsätzlichen Bezugskategorien (Invarianz, Varianz, Differenz) kann Varianz in einer detaillierteren Anzeige in vier weitere Parameter-Konstellationen untergliedert werden, sodass insgesamt sechs Farben zur Darstellung genutzt werden. Jede Bezugskategorie wird durch eine individuelle Farbe markiert.

  • 1) Invarianz (schwarz): Eine Note findet sich unverändert in der Parallelfassung. Alle drei Parameter stimmen überein.
  • 2) Varianz (dunkelblau): Ein oder maximal zwei Parameter (Tonbuchstabe, Oktavlage, Tondauer) der Note wurde(n) verändert.
    • 2.1) Oktav-Varianz (orange): Nur die Oktavlage einer Note wurde verändert. Tonbuchstabe und Tondauer bleiben erhalten.
    • 2.2) Rhythmus-Varianz (hellblau): Nur die Tondauer wurde verändert, während die Parameter der Tonhöhe, also Tonbuchstabe und Oktavlage, erhalten bleiben.
    • 2.3) Oktav- und Rhythmus-Varianz (dunkelblau): Nur der Tonbuchstabe bleibt gleich, während sich Rhythmus und Oktavlage unterscheiden.
    • 2.4) Tonhöhen-Varianz (grün): Die Note stimmt nur in Bezug auf die Tondauer mit einer Note der Parallelfassung überein, sie entspricht keiner Note der Parallelfassung in ihrem Tonbuchstaben. Die Oktavlage kann sich unterscheiden oder gleich sein.
  • 3) Differenz (pink): Die Note findet an syntaktisch gleicher Stelle keinerlei Entsprechung, weder in Bezug auf die Tonhöhe noch auf die Tondauer.

Es sei nochmals hervorgehoben, dass die vom Computer generierte Perspektive des Einzelnotenvergleichs sehr strikt nur singuläre Ereignisse der beiden Fassungen an gleicher syntaktischer Position miteinander in Beziehung setzt und jeglichen Kontext negiert. Dies gilt es bei der Nutzung dieses Werkzeugs stets zu beachten, da der menschliche Betrachter unweigerlich neben streng vertikalen auch horizontale Zusammenhänge herstellt und womöglich zu abweichenden Ergebnissen kommt. Die Computerergebnisse sollen daher vor allem die Aufmerksamkeit auf Abweichungen lenken, die dann vom Nutzer beurteilt werden müssen.

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